Wintercamping: Traum im Schnee oder eiskalte Katastrophe?

In unserer Instagram-Community haben wir nachgefragt: 56 % waren noch nie im Winter campen. Gleichzeitig können sich 58 % vorstellen, es auszuprobieren. Was viele noch zurückhält? Ganz klar: die Kälte und Respekt vor Technik & Vorbereitung.

Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung ist Wintercamping mit dem Wohnmobil kein Risiko, sondern ein echtes Highlight. Hier erfährst du, wie du dich und dein Wohnmobil winterfest machst.

Was bedeutet Wintercamping überhaupt?

Sobald die Temperaturen dauerhaft unter 5 °C fallen, sprechen wir von echtem Winterbetrieb. Das bedeutet:

  • Frostgefahr für Wasserleitungen

  • Höherer Gas- und Stromverbrauch

  • Kondenswasser im Innenraum

  • Belastung von Batterie und Reifen

Wintercamping mit dem Wohnmobil stellt andere Anforderungen als eine Herbstreise. Aber: Moderne Fahrzeuge sind oft deutlich wintertauglicher, als viele denken.

Ist dein Wohnmobil wintertauglich?

Bevor es losgeht, solltest du dir eine Frage stellen: Ist dein Fahrzeug für Minusgrade ausgelegt?

Was ist ein Winterpaket?

Ein Winterpaket kann, je nach Hersteller, folgendes beinhalten:

  • Isolierte und/oder beheizte Wassertanks – und leitungen

  • Beheizter Abwassertank

  • Stärkere Heizung

  • Zusätzliche Isolierung

  • Doppelboden (bei größeren Fahrzeugen)

 

Wenn du unsicher bist, lohnt sich ein Blick in die Fahrzeugunterlagen oder ein Gespräch mit deinem Händler.

Heizen im Wohnmobil im Winter

Beim Wintercamping läuft deine Heizung deutlich länger als im Sommer. Deshalb solltest du dich mit dem Thema unbedingt vertraut machen.

Gas- oder Dieselheizung

Gerade beim Wintercamping entscheidet die richtige Heizung darüber, ob dein Urlaub gemütlich oder unangenehm wird. Deshalb solltest du wissen, welches System in deinem Wohnmobil arbeitet und worauf es bei Minusgraden ankommt.

Gasheizung

Eine Gasheizung im Wohnmobil funktioniert, wie der Name schon sagt, mit Gasflaschen, die meist im Gaskasten deines Fahrzeugs stehen und sowohl die Heizung als auch oft Herd und Warmwasser versorgen.

Vorteile einer Gasheizung im Winter
  • Sehr hohe und schnelle Heizleistung

  • Gleichmäßige Wärme im gesamten Wohnraum

  • Warmwasser meist direkt integriert

  • Bewährte, weit verbreitete Technik

Die Gasheizung ist beim Wintercamping der Klassiker, und das aus gutem Grund. Sie liefert auch bei Minusgraden zuverlässig Wärme und sorgt schnell für ein angenehmes Raumklima. Allerdings steigt der Gasverbrauch im Winter deutlich an: Je nach Außentemperatur und Heizverhalten kann eine 11-kg-Gasflasche schon nach wenigen Tagen leer sein. Deshalb solltest du immer eine Ersatzflasche dabeihaben und deinen Verbrauch realistisch einschätzen. Bei sehr niedrigen Temperaturen kann zudem der Gasdruckregler empfindlich reagieren. Regelmäßige Kontrolle ist also wichtig. Wenn du länger an einem Ort stehst, ist die Gasheizung komfortabel, erfordert aber etwas Planung beim Vorrat.

Dieselheizung

Eine Dieselheizung nutzt den Kraftstoff aus dem normalen Fahrzeugtank und erzeugt damit, ganz ohne separate Gasflasche fürs Heizen, Wärme für den Wohnraum.

Vorteile einer Dieselheizung im Winter
  • Kein separater Gasvorrat fürs Heizen nötig

  • Kein Flaschenwechsel

  • Ideal für längere Reisen

  • Besonders praktisch bei Kastenwagen und Campervans

Die Dieselheizung nutzt den Kraftstoff aus deinem Fahrzeugtank und ist deshalb besonders flexibel. Gerade im Winter ist es angenehm, sich nicht zusätzlich um Gasflaschen kümmern zu müssen. Wichtig ist allerdings, den Tank nie zu leer zu fahren, da viele Systeme bei niedrigem Füllstand automatisch abschalten. Außerdem benötigt die Dieselheizung Strom für Gebläse und Steuerung. Bei längeren Standzeiten ohne Landstrom solltest du also deine Batterie im Blick behalten. Für Vielreisende oder Wintertouren mit häufigem Standortwechsel ist die Dieselheizung eine sehr praktische Lösung.

Die Kälte bleibt draußen, die Wärme bleibt drinnen

Damit es im Winter gemütlich bleibt, lohnt es sich, dein Reisemobil zusätzlich gegen Kälte zu schützen. Schon einfache Maßnahmen machen einen großen Unterschied: Teppiche oder isolierende Matten auf dem Boden sorgen dafür, dass keine Kälte von unten hochzieht und schaffen gleichzeitig ein wohnlicheres Gefühl. Thermomatten für Fahrerhausfenster und Türen helfen, Wärmeverluste zu reduzieren, während zusätzliche Vorhänge oder Isolierungen an Fenstern und Dachluken die Wärme im Innenraum halten.

Lüften nicht vergessen

Auch wenn es draußen kalt ist: Regelmäßiges Stoßlüften gehört beim Wintercamping unbedingt dazu. Standheizungen sorgen zwar oft für sehr trockene Luft, gleichzeitig entsteht im Wohnmobil durch Atmung, Kochen oder nasse Kleidung Feuchtigkeit. Ohne Frischluft sammelt sich zudem CO₂ im Innenraum, was zu Müdigkeit und Kopfschmerzen führen kann. Zwei- bis dreimal täglich für ein paar Minuten kräftig durchzulüften sorgt auch bei Minusgrade für ein gesundes Raumklima.

Wasser und Frost

Gerade im Winter ist das Wassersystem im Wohnmobil besonders frostgefährdet. Gefrierende Leitungen oder Tanks können schnell zu Schäden führen. Ein durchdachtes Winterpaket schafft hier Abhilfe: Isolierte und beheizte Frisch- und Abwassertanks, frostgeschützte Leitungen sowie leistungsstarke Heizsysteme sorgen dafür, dass Wasser auch bei Minusgraden zuverlässig nutzbar bleibt. So kannst du dein Reisemobil ganzjährig einsetzen, ohne dir Sorgen um Frostschäden machen zu müssen.

Wichtiger Hinweis:

Hat dein Fahrzeug kein Winterpaket, kann eine durchgängige Beheizung des Innenraums helfen, Frostschäden zu vermeiden, allerdings nur, wenn sich Tanks und Leitungen im beheizten Bereich befinden. Liegen Wasserleitungen oder Tanks unisoliert im Unterboden, reicht die Innenraumheizung meist nicht aus. Bei längeren Frostperioden oder wenn dein Reisemobil unbeheizt steht, solltest du das gesamte Wassersystem vorsorglich vollständig entleeren, um Schäden sicher zu vermeiden.

Frostwächter nicht vergessen!

Viele Reisemobile verfügen über einen sogenannten Frostwächter (z. B. an der Truma-Heizung). Dieser öffnet automatisch das Sicherheitsventil und lässt das Wasser aus dem Boiler ab, sobald die Temperatur im Fahrzeug zu stark absinkt (meist bei etwa 3–5 °C). Das schützt dein System vor Frostschäden.

Wichtig: Der Frostwächter funktioniert nur zuverlässig, wenn das Fahrzeug ausreichend beheizt ist oder keinen starken Temperaturschwankungen ausgesetzt wird. Wenn du dein Reisemobil im Winter unbeheizt abstellst, kann es also sein, dass sich der Boiler selbstständig entleert. Kontrolliere daher regelmäßig dein Wassersystem und plane ausreichend Gas bzw. Strom für die Heizung ein.

Stromversorgung im Winter

Kälte setzt deiner Bordbatterie spürbar zu, denn bei niedrigen Temperaturen sinkt ihre Leistungsfähigkeit deutlich. Achte deshalb darauf, dass deine Batterie ausreichend geladen ist und möglichst frostgeschützt steht. Wenn dein Fahrzeug längere Zeit nicht bewegt wird, empfiehlt sich der Anschluss an Landstrom oder der Einsatz eines Erhaltungsladegeräts. So bleibt deine Stromversorgung auch bei Minusgraden zuverlässig.


Sicherheit auf der Straße

Sobald mit Glätte, Schneematsch oder Eis zu rechnen ist, solltest du mit geeigneten Winterreifen unterwegs sein. Sie bieten bei niedrigen Temperaturen deutlich besseren Grip und verkürzen den Bremsweg spürbar. Achte außerdem auf ausreichend Profiltiefe. Gerade bei schwereren Fahrzeugen ist das entscheidend für die Fahrsicherheit.

In bergigen Regionen oder bei starkem Schneefall können Schneeketten notwendig sein, teilweise sind sie sogar vorgeschrieben. Informiere dich vor der Reise, welche Ketten für dein Fahrzeug zugelassen sind, und übe im Idealfall einmal das Anlegen. Im Ernstfall sparst du dir so Stress bei Kälte und Schnee.

Im Winter gilt: vorausschauend und ruhig fahren.

Im Winter solltest du besonders vorausschauend fahren und deutlich mehr Abstand zum Vorausfahrenden halten, da dein Wohnmobil durch sein höheres Gewicht einen längeren Bremsweg hat als ein normaler PKW. Bremse frühzeitig und mit Gefühl, um ein Rutschen zu vermeiden, und verzichte auf hektische Lenkbewegungen, damit das Fahrzeug stabil bleibt. Beschleunige gleichmäßig, damit die Räder auf glatter Fahrbahn nicht durchdrehen und du jederzeit die Kontrolle behältst. Besonders bei Heckantrieb oder schwerer Beladung kann das Fahrzeug auf glatter Fahrbahn schneller ausbrechen

Die häufigsten Fehler beim Wintercamping

  • Fahrzeug ohne ausreichende Beheizung abstellen

  • Wassersystem nicht vollständig entleeren bei Frostgefahr

  • Sommerreifen oder abgefahrene Winterreifen nutzen

  • Schneeketten nicht dabei haben (oder noch nie montiert haben)

  • Zu wenig Gasvorrat für längere Heizphasen einplanen

  • Bordbatterie nicht ausreichend geladen halten

  • Lüften vernachlässigen: Kondenswasser, Feuchtigkeit aber auch trockene Luft unterschätzen

  • Abwassertank bei Minusgraden geöffnet lassen

  • Dach und Markise nicht von Schnee befreien

  • Markise und Trittstufe bei Frost öffnen oder über Nacht aufgebaut lassen

  • Einfrieren des Dachzeltes oder gefrorene Dämpfer nicht genug berücksichtigen

  • Zu spät bremsen oder mit gewohnter Sommerfahrweise unterwegs sein

  • Sich nicht über Öffnungszeiten von Campingplätzen informieren

Mit der richtigen Vorbereitung bist du jetzt bestens für dein Winterabenteuer gerüstet und kannst auch bei Minusgraden entspannt unterwegs sein. Wenn dennoch Fragen auftauchen oder du Unterstützung bei der Vorbereitung brauchst, kannst du dich jederzeit an unsere Werkstatt wenden, wir helfen dir gerne weiter!